Autismus

 


Nach neuesten Untersuchungen sind zwei von 1000 Kindern von Autismus betroffen. Damit ist Autismus unter Kindern weiter verbreitet als Diabetes oder das Down Syndrom.

Unter die Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) fallen in erster Linie der frühkindliche Autismus, das Asperger Syndrom und der atypische Autismus; einen wesentlich kleineren Teil machen zusätzlich das Rett-Syndrom und die desintegrativen Störungen des Kindheitsalters (CDD) aus.

 

 

 

 

Alle Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen haben Auffälligkeiten in drei Bereichen:

  1. Soziale Interaktion

Die Kinder mit ASS haben große Schwierigkeiten beim Verstehen des Gebens-und-Nehmens alltäglicher Interaktionen. Viele von ihnen interagieren nur selten und scheinen den Blickkontakt zu meiden. Sie scheinen sich nur wenig für andere Menschen zu interessieren und ziehen es augenscheinlich vor alleine zu sein. Dennoch geht die Forschung davon aus, dass Kinder mit Autismus eine gewisse emotionale Bindung zu ihren Eltern aufbauen, auch wenn es für Eltern mitunter schwer sein kann diese zu erkennen.

Kindern mit ASS ist oft gemeinsam, dass sie Schwierigkeiten damit haben ihre Emotionen zu regulieren, was soziale Beziehungen noch schwieriger macht.

  1. Verbale und nonverbale Kommunikation

Bei Kindern mit Autismus gibt es eine große Bandbreite der Fähigkeiten in diesem Bereich. Während die einen einen großen Wortschatz aufbauen, ihn aber kaum für eine angemessene Kommunikation nutzen können, bleiben andere Kinder ihr Leben lang ohne Sprache. Manche Kinder lernen andere Kommunikationsmittel einzusetzen, wie Bildkarten oder Zeichensprache.

Fehlen diese Möglichkeiten seine Wünsche mitzuteilen völlig, bleibt oft nur Schreien oder sich das Gewünschte einfach zu nehmen.

Kinder mit Autismus werden auch oft dadurch charakterisiert, dass sie es schwierig finden Gesichtsausdrücke und Körpersprache anderer während einer Kommunikation zu interpretieren und diese auch selbst zu zeigen bzw. sich damit auszudrücken.

Auch das Erkennen von Gefühlen anderer, das Verstehen des unterschiedlichen Wissens anderer, das Verstehen und Vorhersagen des Tuns anderer, der Perspektivenwechsel, sind für Kinder mit Autismus nur schwer zu durchschauen.

Selbst ältere Kinder mit gutem Sprachvermögen haben in der Regel große Probleme damit Sarkasmus, Ironie und Sprichwörter zu verstehen.

  1. Repetitives und stereotypes Verhalten und Interessen

Begegnet man Kindern mit ASS, sieht man auf den ersten Blick oft nicht, dass sie anders sind. Auf den zweiten Blick fallen jedoch bei manchen von ihnen, ihre seltsamen repetitiven Bewegungen, wie das schnelle Wedeln der Unterarme, das vor und zurück Schaukeln mit dem Oberkörper oder das Laufen auf den Zehenspitzen, auf.

Oft zu beobachten ist auch, dass sie bestimmte Gegenstände mit großer Ausdauer in einer Reihe aufstellen, ohne dass das Ganze an ein Spiel erinnert.

Eine weitere Form des repetitiven Verhaltens ist das intensive und lang anhaltende Befassen mit einer bestimmten Sache, z.B. Dinosaurier, Züge oder ganz allgemein mit Zahlen.

Kinder mit ASS, vor allem solche mit weniger Sprachverständnis, beharren oft auf den immer gleichen Abläufen und akzeptieren nicht, wenn sich täglich wiederkehrende Vorgänge, z.B. jeden Tag auf dem gleichen Weg zum Kindergarten gehen, ändern.

Wenn jemand diese ganzen Verhaltensweisen versucht zu unterbrechen oder zu stoppen, reagiert das Kind oft aufgebracht und zornig.

Diese Auffälligkeiten treten in unterschiedlichen Ausmaßen von leicht bis tief greifend auf. Sie sind in jedem einzelnen Kind in unterschiedlicher Ausprägung vorhanden und führen alle zu der Diagnose ASS.

 

Oft zusätzlich auftretende Probleme

Viele der Kinder mit ASS haben eine geistige Behinderung unterschiedlichen Ausmaßes. Testet man diese Kinder, so zeigt es sich, dass sie in einigen Bereichen große Fähigkeiten haben, während in anderen Bereichen große Schwächen auftreten.

Bei einem von vier Menschen mit Autismus kommt es zu epileptischen Anfällen, die meistens während der Jugend zum ersten Mal auftreten. Diese lassen sich jedoch mit einer sorgfältigen medikamentösen Einstellung weitestgehend kontrollieren.

 

Äthiologie

Autismus ist eine Störung mit neurobiologischem Hintergrund. Die genaue Ursache ist noch nicht ausreichend bekannt, aber es gibt Hinweise darauf, dass genetische Faktoren eine zentrale Rolle spielen.

Seit einigen Jahren wird die Verbindung zwischen Schwermetallen und Autismus diskutiert.
Die dazu bisher veröffentlichten Studien konnten dies jedoch nicht belegen.

Aufgrund neuer Technologien gibt es immer mehr Untersuchungen, die das Gehirn von Menschen mit Autismus mit dem anderer Menschen vergleichen.
Diese haben gezeigt, dass zum einen einige wesentliche Hirnareale, z.B. das Kleinhirn, der cerebrale Kortex, das limbische System, der Corpus callossum, Basalganglien und der Hirnstamm bei der Entstehung von Autismus beteiligt sein könnten.

Zum anderen gibt es auch im Bereich der Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin und Adrenalin Auffälligkeiten.

 

Diagnose

Autismus-Spektrum-Störungen können in der Regel im Alter von drei Jahren zuverlässig diagnostiziert werden, in manchen Fällen sogar bereits im Alter von 18 Monaten.

Aber in Deutschland findet man oft Kinder, die ihre Diagnose erst im Schulalter erhalten haben. Doch auch hierzulande verschiebt sich das Diagnosealter immer weiter nach vorne.

Mögliche Hinweise auf Autismus-Spektrum-Störungen:

  • brabbelt nicht, zeigt nicht oder macht keine aussagekräftigen Zeichen im Alter von ein Jahr
  • spricht mit 16 Monaten noch kein Wort
  • verbindet mit zwei Jahren noch keine zwei Wörter
  • reagiert nicht auf seinen Namen
  • verliert sprachliche oder soziale Fähigkeiten
  • auffälliger Blickkontakt
  • scheint nicht zu wissen, wie man mit Spielsachen spielt
  • reiht exzessiv Spielsachen oder andere Gegenstände aneinander
  • ist auf ein Spielzeug oder einen Gegenstand fixiert
  • lacht nicht
  • das Hörvermögen scheint zeitweise beeinträchtigt

Mehrere Screeningverfahren wurden speziell dafür entwickelt, um von Kinderärzten bei Vorsorgeuntersuchungen angewendet zu werden. Die bekannteste dieser Checklisten ist CHAT (Checkliste „Autismus“ für Kleinkinder), die im Internet zu finden ist.

Je früher eine Diagnose gestellt wird, desto früher kann dem Kind durch gezielte Interventionen geholfen werde. Erfolgen diese im Vorschulalter intensiv mit ABA über mindestens zwei Jahre, so ist die Prognose am besten.


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